Das umstrittene Project Jupiter in der nördlichen Chihuahua-Wüste

In den USA entstehen derzeit so viele Rechenzentren wie nie zuvor.

Kaum etwas prägt die US-Wirtschaft so stark wie KI. Schätzungen zufolge gehen zwischen der Hälfte und zwei Dritteln des US-Wirtschaftswachstums auf Investitionen in KI zurück. Die Abhängigkeit der USA von KI ist so groß, dass David Sacks, bis vor kurzem KI- und Krypto-Beauftragter des Weißen Hauses, erklärte: „Den Fortschritt bei der KI zu stoppen, käme einem Stillstand der US-Wirtschaft gleich.“

In diesem Jahr werden in den USA voraussichtlich rund 800 Milliarden Dollar in KI investiert – das entspricht zwei bis 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und kommt dem US-Verteidigungshaushalt nahe, der bei 2,9 Prozent des BIP liegt. Während auf dem KI-Markt im Jahr 2024 rund 214 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet wurden, dürfte sich diese Summe in den kommenden fünf Jahren auf mehr als das Sechsfache erhöhen. Zu den wichtigsten Treibern des KI-Booms zählen die US-Konzerne Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle. Zusammengenommen bringen sie ein Börsenvolumen von mehr als zwölf Billionen Dollar auf die Waage. Allein ihre Investitionen in den Ausbau von KI-Infrastruktur und -Anwendungen sollen sich in diesem Jahr auf mehr als 700 Milliarden Dollar belaufen.

Die Investitionen in KI lassen sich grob in folgende Bereiche unterteilen: Rechenzentren, Energieinfrastruktur, Computerhardware und Software. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Rechenzentren. Denn die Entwicklung und der Einsatz von KI-Modellen erfordern enorme Datenmengen und Rechenkapazitäten, die wiederum von der Leistungsfähigkeit dieser Zentren abhängen. Das ist einer der Gründe für den Wettlauf der großen Technologiekonzerne um den Bau dieser Zentren: Je größer und leistungsfähiger sie sind, desto besser stehen die Chancen, die Konkurrenz ausstechen zu können.

Um den rasanten Bau von Rechenzentren zu forcieren, verknüpft die Trump-Regierung den Ausbau der KI-Infrastruktur mit Fragen der nationalen Sicherheit und der Energiesicherheit. Damit Genehmigungen schneller erteilt und Planungsverfahren verkürzt werden können, hat sie für KI-Rechenzentrumsentwickler sogar eigene Dekrete erlassen.   

Der Ressourcenbedarf der KI-Rechenzentren

Das Problem: Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Energie, um ihre Rechenprozesse zu betreiben, sowie Wasser, um ihre Systeme zu kühlen und vor Überhitzung zu schützen. Im Jahr 2023 verbrauchten Rechenzentren in den USA rund 4,4 Prozent des Stroms. Bis 2028 soll dieser Anteil auf 6,7 bis 12 Prozent steigen. Einige Rechenzentren benötigen außerdem fast zwei Millionen Liter Wasser pro Tag. Studien zufolge könnte der Boom bei KI-Rechenzentren bis 2030 zwischen 24 und 44 Millionen Tonnen CO₂ zusätzlich in die Atmosphäre freisetzen – das wären im Vergleich fünf bis zehn Millionen zusätzliche Autos auf den Straßen der USA. Außerdem würden Rechenzentren dann zwischen 731 und 1.125 Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchen. Das entspricht dem jährlichen Wasserbedarf von 6 bis 10 Millionen Menschen in den USA.

Noch besorgniserregender ist, dass von den mehr als 1.000 in den USA geplanten Rechenzentren 517 in Regionen entstehen sollen, die bereits jetzt unter Dürre und Hitze leiden – also unter extremen Wetterereignissen, die klimawandelbedingt häufiger und intensiver werden.

Trotzdem halten Unternehmen an ihren Plänen fest, Rechenzentren in Wüstenregionen zu errichten. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen sind Grundstücke in der Wüste im Vergleich zu Regionen mit günstigeren klimatischen Bedingungen oder einer besseren Energieversorgung leichter verfügbar und deutlich günstiger. Zum anderen bemühen sich manche Kommunen gezielt um die Ansiedlung von KI-Rechenzentren, weil sie sich davon wirtschaftliche Impulse für die lokale Bevölkerung versprechen, insbesondere in strukturschwachen Regionen, die bislang bei Investitionen und der wirtschaftlichen Entwicklung benachteiligt wurden.

Project Jupiter im Bezirk Doña Ana

Wenig überraschend begegnen jedoch viele Menschen vor Ort solchen Vorhaben mit Skepsis. Ein geplantes KI-Rechenzentrum, das vor Ort auf erheblichen Widerstand stößt, ist das Project Jupiter, das sich im Bau befindet. Es liegt nahe der nicht inkorporierten Gemeinde Santa Teresa im Bezirk Doña Ana im Bundesstaat New Mexico. Die Siedlung liegt an der Grenze zu Mexiko im nördlichen Teil der Chihuahua-Wüste. Seit Langem kämpft die Region mit Wasserknappheit und einer begrenzten Energieversorgung. Anhaltende Dürre, rückläufige Schneemengen im Gebirge und der Klimawandel setzen die ohnehin knappen Wasserressourcen zusätzlich unter Druck. Seit Jahren ringen die Menschen in Santa Teresa und den umliegenden Gemeinden um den Zugang zu sauberem und sicherem Trinkwasser. Die Ansiedlung eines großen, wasserintensiven Rechenzentrums in unmittelbarer Nähe ist daher besonders umstritten.

Der Rio Grande in einer der trockensten Regionen der USA, geprägt von langen Dürreperioden, steigenden Temperaturen und hohem Wasserverbrauch.
Stromleitungen in der Chihuahua-Wüste. Große Entfernungen, das trockene Wüstenklima und die dünne Besiedlung erschweren und verteuern die Energieversorgung.   

Nach seiner Fertigstellung wird Project Jupiter eine Fläche von rund 5,5 Quadratkilometern einnehmen – größer als der Central Park in Manhattan. Welche Unternehmen hinter dem Projekt stehen, ist weiterhin unklar. Angeblich soll das Unternehmen Oracle Project Jupiter betreiben, während OpenAI der größte Kunde sein wird. Die Gesamtkosten werden für die kommenden 30 Jahre auf 165 Milliarden US-Dollar geschätzt, was zwischen 7 und 8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Brasiliens entspricht. Die Projektentwickler versprechen die Schaffung von „1.500 dauerhaften projektbezogenen Arbeitsplätzen“ sowie „360 Millionen US-Dollar an direkten Investitionen in Schulen, Infrastruktur und kommunale Dienstleistungen.“

Zufahrt zur abgesperrten Baustelle von Project Jupiter.
Die Baustelle von Project Jupiter in der trockenen Weite der Chihuahua-Wüste.

Das Projekt erhält starke Unterstützung von einigen lokalen und staatlichen Entscheidungsträgern, die den Entwicklern ein Paket von Vergünstigungen gewährt haben. Dazu gehören die Befreiung von der Grundsteuer sowie von Steuern auf die Ausrüstung, die für den Bau der Anlage verwendet wird. Auch das für Project Jupiter geplante Mikronetz wurde vom New Mexico Energy Transition Act ausgenommen – einem Gesetz, das von den im Bundesstaat tätigen Energieversorgern verlangt, bis 2045 auf CO₂-freie Stromerzeugung umzustellen. Besonders alarmierend ist dies angesichts des Energiebedarfs von Project Jupiter: Rund 2,5 Gigawatt Leistung soll die Anlage benötigen – mehr als die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Bundesstaates New Mexico. Da das Mikronetz den benötigten Strom selbst erzeugen und nicht auf das bestehende Stromnetz zurückgreifen würde, muss sich Project Jupiter nicht an die gesetzlichen Vorgaben für saubere Energie halten.

Ursprünglich hatten die Entwickler vorgeschlagen, den enormen Energiebedarf der Anlage durch ein neues erdgasbetriebenes Kraftwerk zu decken. Doch dann entschieden sie sich für Brennstoffzellen – eine Technologie, die Strom durch einen elektrochemischen Prozess und nicht durch Verbrennung erzeugt. Entscheidend ist, dass sie bislang nirgendwo in dieser Größenordnung zur Anwendung kam. Zwar wird der Wechsel Prognosen zufolge die jährlichen Treibhausgasemissionen von rund 14 Millionen auf 10 Millionen Tonnen senken. Aber die Anlage bliebe eine massive Emissionsquelle – vergleichbar mit den Emissionen einer mittelgroßen US-Stadt wie Philadelphia oder Buffalo.

Der Umstieg auf Brennstoffzellentechnologie hat auch den Wasserbedarf des Projekts verändert. Die Projektentwickler korrigierten ihre Schätzung von 3,5 Millionen Litern Wasser pro Tag auf 40 Millionen Liter Brauchwasser, die in einem geschlossenen Kreislaufsystem zirkulieren. Grundsätzlich können solche Systeme den Wasserverbrauch für die Kühlung deutlich senken, da das Wasser wiederverwendet wird, anstatt Grundwasservorkommen zu erschöpfen. Allerdings haben solche geschlossenen Systeme auch Nachteile. Denn sie sind in Bau und Betrieb teurer, erhöhen den Energiebedarf erheblich und erfordern den Einsatz von Chemikalien zur Wasseraufbereitung. Welche langfristigen Auswirkungen sie auf die Umwelt haben, ist bislang nicht bekannt.

Während sich die Kommunal- und Landesbehörden von den Argumenten der Projektentwickler von Project Jupiter überzeugen ließen und das Vorhaben schließlich genehmigten, bleiben Anwohner und lokale Gemeinden äußerst skeptisch. Sie kritisieren die mangelnde Transparenz. Zudem seien die Angaben zum Wasserbedarf des Projekts wiederholt geändert worden. Deshalb lasse sich nicht verlässlich beurteilen, welche Auswirkungen das Vorhaben auf die ohnehin knappen Wasserressourcen der Region haben wird.

Die wichtigsten Bedenken

Bei einem öffentlichen Forum in Las Cruces Ende Mai 2026 informierten mehrere Expert:innen besorgte Anwohner:innen und Gemeindemitglieder über die Umwelt- und Klimafolgen von Project Jupiter. Dabei nutzten die Anwohner:innen die Gelegenheit zum Informationsaustausch und zu Beratungen über ihr weiteres Vorgehen.

In der langen Schlange vor dem öffentlichen Forum sprach ich mit Anwohner:innen, die bei der Frühsommerhitze auf den Einlass warteten. Ihre größten Sorgen galten dem Wasser- und Energiebedarf von Project Jupiter, außerdem brachten sie grundsätzliche Einwände gegen die rasante Ausbreitung und Nutzung von KI vor.

Bei dem Forum referierten Ingenieur:innen, Jurist:innen und Wissenschaftler:innen über den ökologischen und klimapolitischen Fußabdruck des Projekts. Sie äußerten Bedenken hinsichtlich der prognostizierten Treibhausgasemissionen und kritisierten, dass die Projektentwickler sich auf Dekrete der Trump-Regierung berufen, um ihre Argumentation zur Nutzung der Wasserressourcen zu stützen. Besonders große Besorgnis galt den Risiken beim Einsatz unerprobter KI-gestützter Technologien – insbesondere der Gefahr, dass sie rassistisch geprägte Ausgrenzung verstärken und soziale Ungleichheit verschärfen könnten, etwa im Gesundheitswesen, bei der Polizeiarbeit und bei Militäreinsätzen.

Daisy Maldonado bei ihrem Redebeitrag auf dem öffentlichen Forum.
Participants displaying their discoTeilnehmer:innen zeigen ihren Unmut über Project Jupiter.ntent with Project Jupiter

Das öffentliche Forum wurde von Fight Chihuahuan Desert Extraction (FCDX) organisiert, einer Gruppe, die sich im Widerstand gegen Project Jupiter formiert hat. Eines ihrer Mitglieder, Daisy Maldonado, kandidiert für das Amt der County Commissioner. Das ist eine kommunale Vertretung mit weitreichender Entscheidungskompetenz, unter anderem bei Finanzgenehmigungen, Flächennutzungsplänen und lokalen Landnutzungsfragen. Maldonado war im Vorwahlkampf der Demokraten erfolgreich, unterstützt von Senator Bernie Sanders. Den Widerstand gegen Project Jupiter hatte sie dabei zum Kern ihres Wahlkampfs gemacht. Sie bettete ihn ein in eine umfassende Kritik an der Macht von „Big Tech“ und von Konzernen.

In einem Gespräch mit Maldonado am Tag nach dem öffentlichen Forum über die Gründe für ihren Widerstand gegen Project Jupiter erklärte sie, dass die Zahl der dauerhaft geschaffenen Arbeitsplätze nach der ersten Bauphase entgegen der Versprechen der Projektentwickler begrenzt bleiben werde. Zudem könnten viele dieser Stellen nur mit Fachkräften besetzt werden, die es in Santa Teresa derzeit nicht gebe. Maldonado sagte, die Skepsis in der Bevölkerung sei auch deshalb so groß, weil den Menschen in der Vergangenheit bereits mehrfach wirtschaftliche Entwicklung versprochen worden sei – nur um immer wieder enttäuscht zu werden. Neben den gravierenden Umwelt- und Klimabedenken fügte sie hinzu, viele Einwohner hätten den Eindruck, dass das Projekt ohne eine ernsthafte Beteiligung der Gemeinde vorangetrieben werde. Sie bezeichnete den Prozess als das „Gegenteil von Demokratie“ und fügte hinzu, es müsse „einen vollständigen Stopp geben, bevor wir weitermachen können“. Damit sprach sich Maldonado für ein landesweites Moratorium für KI-Rechenzentren aus, wie es Senator Bernie Sanders und die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez vorgeschlagen haben.

Esperanza Chairez, Leiterin für politische Kampagnenarbeit bei Youth United for Climate Crisis Action (YUCCA) und Mitglied von FCDX, sagte im Gespräch, die Entwickler von Project Jupiter hätten Santa Teresa möglicherweise deswegen ausgewählt, weil der Ort eine nicht inkorporierte Gemeinde mit vergleichsweise geringem politischem Einfluss ist.  Chairez vermutet, dass die von den Entwicklern zugesagten Infrastrukturinvestitionen in dieser trockenen Region auch dazu dienen könnten, von den Sorgen der Bewohner abzulenken. Viele fürchten mögliche Auswirkungen des Projekts auf die bereits jetzt schon knappen Wasserressourcen. Nach Ansicht von Chairez verstärkt die mangelnde Transparenz beim zukünftigen Wasser- und Energieverbrauch zudem grundsätzliche Bedenken über eingeschränkte demokratische Beteiligung beim ungebremsten Ausbau der KI-Technologie. Besonders junge Menschen seien davon betroffen, da sie langfristig mit den Folgen dieser Entwicklung leben müssten. „Ich glaube, dass die Technologiebranche und unser Bundesstaat immer mehr zusammenwachsen“, sagte Chairez. Es handele sich um „eine Kungelei, ja eine äußerst beunruhigende Konzentration von Macht, von der ich nicht glaube, dass die Mehrheit der normalen Amerikaner sich etwas davon verspricht.“

Widerstand wächst in den gesamten USA

Die Bildung von Bürgerinitiativen gegen KI-Rechenzentren ist keineswegs auf Doña Ana County beschränkt. Im Gegenteil: Im ganzen Land formiert sich Widerstand gegen ihren Bau und ihre Erweiterung. Mittlerweile haben sich Menschen in 24 Bundesstaaten in 142 Bürgerinitiativen organisiert. Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnen 71 Prozent der US-Bevölkerung den Bau eines KI-Rechenzentrums in ihrer Nähe ab. Zum Vergleich: Gegen den Bau eines Atomkraftwerks würden sich 53 Prozent aussprechen. Als häufigsten Grund für ihre Ablehnung nennen die Befragten Umweltbedenken.

Bemerkenswert ist, dass der Widerstand in den USA kaum entlang der üblichen parteipolitischen Grenzen verläuft. Sowohl konservative als auch progressive Anwohner:innen sowie Organisationen stellen sich gegen den Bau und Ausbau von KI-Rechenzentren. Solche Bündnisse aus indigenen Bewegungen, Gewerkschaften und enttäuschten Trump-Wähler:innen wären vor der rasanten Ausbreitung von KI-Rechenzentren kaum vorstellbar gewesen.

Zu den prominentesten Befürwortern einer strengeren Regulierung zählen Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez. Gemeinsam brachten sie kürzlich den AI Data Center Moratorium Act in den Kongress ein. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde es den Bau und die Erweiterung von KI-Rechenzentren landesweit mit sofortiger Wirkung aussetzen. Begründet wird der Gesetzentwurf mit grundsätzlichen Bedenken hinsichtlich der Governance und Nutzung von KI. Zugleich fordert er bundesweit verbindliche Schutzvorkehrungen gegen steigende Energiekosten, Belastungen für Anwohner:innen sowie gegen Umweltzerstörung und Klimawandel. Zahlreiche Stadträte haben bereits Moratorien beschlossen. In Monterey Park stimmte die Bevölkerung als erste Gemeinde in den USA mit großer Mehrheit für ein Verbot von KI-Rechenzentren.

Bislang gibt es jedoch kaum Anzeichen dafür, dass der Widerstand gegen Rechenzentren die Politik auf Ebene der Bundesstaaten beeinflusst. So legte die Gouverneurin von Maine, Janet Mills, kürzlich ihr Veto gegen ein Verbot von KI-Rechenzentren in ihrem Staat ein. In Utah zählt Gouverneur Spencer Cox zu den lautstärksten Befürwortern ihres Ausbaus. Die Infrastruktur sei von entscheidender Bedeutung für die nationale Sicherheit der USA, lautet sein Argument. Auch in den demokratisch regierten Bundesstaaten Kalifornien und New York setzen sich die Gouverneure Gavin Newsom und Kathy Hochul nachdrücklich für den Ausbau der KI-Infrastruktur ein. Newsom versuchte Kaliforniens Führungsrolle zu festigen, indem er ein zentrales Gesetz zur Sicherheit von KI per Veto stoppte. Hochul treibt Pläne für ein Cluster von Supercomputern voran und wirbt gezielt um die Ansiedlung von KI-Unternehmen. In New Mexico wiederum unterstützte Gouverneurin Michelle Lujan Grisham das Projekt Jupiter, indem sie eine Grundsatzvereinbarung mit den Projektentwicklern unterzeichnete. Dabei erklärte sie: „Diese bahnbrechende Partnerschaft stärkt unsere Reputation als landesweit führender Standort für moderne Fertigung und globalen Handel.“

Wachsende Sorge über die globalen Folgen

Die weltweite CO₂-Konzentration in der Atmosphäre liegt inzwischen bei rund 427 ppm (parts per million). Nach Einschätzung von Wissenschaftler:innen wäre ein Wert von etwa 350 ppm erforderlich, um ein sicheres und stabiles Klimasystem zu gewährleisten. Doch statt zu sinken steigen die weltweiten Emissionen weiter an. Je näher die Erde zahlreichen Kipppunkten des Klimasystems kommt, und je größer die Gefahr unumkehrbarer Veränderungen wird, desto mehr wird der rasante Ausbau von KI-Rechenzentren zum Symbol eines Systems, das Konzerninteressen und technologischer Beschleunigung Vorrang vor den ökologischen Belastungsgrenzen einräumt.

Forschende der United Nations University schätzen, dass KI-Rechenzentren im Jahr 2030 rund 945 Terawattstunden Strom verbrauchen werden. Das entspräche fast 3 Prozent des weltweit prognostizierten Stromverbrauchs. Dadurch würden zusätzlich 399 Millionen Tonnen CO₂ in die Atmosphäre gelangen – eine Menge, deren Bindung etwa 6,7 Milliarden Bäumen entsprechen würde, die in zehn Jahren herangewachsen könnten. Der weltweite Wasserverbrauch von KI-Rechenzentren wird auf 9,3 Billionen Liter geschätzt. Das ist so viel, wie 1,3 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika für ihren häuslichen Bedarf benötigen.

Dass der Energiebedarf von KI-Rechenzentren kurz- oder mittelfristig vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden kann, ist schwer vorstellbar. KI-Rechenzentren benötigen enorme Energiemengen sofort, während der Ausbau erneuerbarer Energien häufig deutlich länger dauert. Zu den weiteren Ansätzen, den ökologischen und klimapolitischen Fußabdruck zu verringern, gehören Rechenzentren im All. Aber selbst die größten Optimisten der Tech-Branche geben zu, dass diese Vision noch in weiter Ferne liegt.

Während sich mehr als 90 Prozent der KI-Rechenzentren in den USA und China befinden, wird künftig mit einem stärkeren Wachstum im Globalen Süden gerechnet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die für diese Infrastruktur benötigten Materialien auf globale Lieferketten angewiesen sind. Viele der dafür erforderlichen Mineralien und Rohstoffe – darunter Aluminium, Kupfer, Lithium und andere – stammen aus Ländern des Globalen Südens. Der Ausbau droht bestehende ausbeuterische Strukturen zu verstärken, den imperialen Zugriff auf Ressourcen zu verschärfen und geopolitische Spannungen sowie Konflikte weiter anzufachen.

Die rasante weltweite Ausbreitung von KI-Rechenzentren schafft Herausforderungen, die nationale Grenzen überschreiten und die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit unterstreichen. Zwar haben die UN ein Hochrangiges Beratungsgremium für KI eingerichtet, um politische Entscheidungsprozesse zu unterstützen und internationale Kooperation zu fördern. Dessen Mandat konzentriert sich jedoch bislang vor allem auf politische Vorgaben und Kontrollfragen. Die ökologischen und klimapolitischen Folgen des Ausbaus von KI-Infrastruktur haben vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten. Gleichzeitig werfen zunehmende geopolitische Spannungen die Frage auf, ob eine wirksame internationale Koordinierung und Regulierung von KI im öffentlichen Interesse überhaupt möglich ist.

Wie reagieren auf die scheinbar unaufhaltsame KI-Ausbreitung?

Dass KI – gezielt und kritisch eingesetzt – bei bestimmten Anwendungen einen enormen Nutzen bringen kann, bezweifelt kaum jemand. Dennoch fragen sich immer mehr Menschen, woher eine Regulierung kommen soll, die der ungezügelten Expansion von KI tatsächlich Grenzen setzt. Das Tempo und das Ausmaß der KI-Offensive sind beunruhigend. Während die Macht der Unternehmen, die diese Transformation vorantreiben, weitgehend unkontrolliert wächst, sind die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen völlig ungewiss. Immer stärker macht sich ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Macht von Big Tech breit – auch weil Regierungen häufig näher an Konzerninteressen stehen als an der Öffentlichkeit, die sie eigentlich repräsentieren müssten.

Doch dieser Moment offenbart zugleich die zentralen Ungleichheiten unserer Zeit. Indem KI-Rechenzentren eine bislang unsichtbare Infrastruktur ins Bewusstsein rücken, legen sie auch tiefer liegende gesellschaftliche Verhältnisse offen. Dazu gehören die kaum vorhandene Rechenschaftspflicht der Superreichen, die zunehmende Verschmelzung von ökonomischer und politischer Macht sowie die Tatsache, dass neue Technologien häufig eher autoritäre Strukturen begünstigen als demokratische Kräfte.

Deutlich wird dabei eine Verbindung zwischen Umwelt-, Klima- und Klassenpolitik. Darin liegt eine große Chance – eine Chance, die bereits zu neuem zivilgesellschaftlichen Engagement geführt hat: bei Stadtratssitzungen, öffentlichen Haushaltsanhörungen und Planungsverfahren. In sie mischen sich viele besorgte Anwohner:innen ein. Die Konflikte um KI-Infrastruktur drehen sich nicht nur um Energieverbrauch oder Emissionen. Es geht auch darum, wer die Kosten trägt und wer die wirtschaftliche Entwicklung gestaltet. Angesichts dieser Herausforderungen eröffnet sich auch die reale Chance für neue Formen demokratischer Gegenwehr und kollektiver Organisierung.


Einzelne Abschnitte des englischen Originaltextes wurden mithilfe eines KI-Tools zur besseren Verständlichkeit leicht überarbeitet.

David Williams leitet das Klimagerechtigkeitsprogramm der Rosa-Luxemburg-Stiftung in New York.